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Übersicht:
Gesprächshilfe für Paare, sich über Sexualität zu unterhalten
Hinterfragen sexueller
Einstellungen und Bewertungen
Informationen
zum Thema: Sexueller Missbrauch von Kindern

Gesprächshilfe
für Paare, sich über Sexualität zu unterhalten
- Lesen Sie mit Ihrem Partner,
mit Ihrer Partnerin die folgenden Mythen (Fehlinformationen, tiefsitzende Unwahrheiten),
welche in der Sexualität umhergeistern, durch.
- Welche der Mythen haben Sie
längst durchschaut, diese haben jede Kraft über Sie verloren?
- Welche Mythen haben Sie zwar
durchschaut, aber diese wirken sich immer noch auf Ihre Einstellungen und Ihr Verhalten in
der Sexualität aus?
- Gibt es Mythen, welche Sie
nicht als Fehlinformationen, sondern als Wahrheiten im Bereich der Sexualität bezeichnen
würden?
Mythen
in der Sexualität
"Ein
richtiger Mann ist allzeit (zum Sex) bereit."
"Eine anständige Frau überlässt
das erste sexuelle Werben dem Mann und wartet, bis ein Mann sich für sie
interessiert."
"Männer haben einen stärkeren
Sexualtrieb als Frauen."
"In einer normalen Ehe hat man/frau 3
mal pro Woche Sex."
"Ältere Menschen und Behinderte
haben keine sexuellen Bedürfnisse."
"Eine normale Frau überlässt in der
Sexualität das Äussern von Wünschen, Bedürfnissen, Phantasien, usw. dem Mann."
"Der beste Liebhaber ist jener,
welcher am längsten kann."
"Eine Frau spürt am
verlässlichsten, dass ihr Partner sie liebt, wenn dieser sie sexuell begehrt."
"Ein Mann ist nur ein richtiger Mann,
wenn er sexuell potent ist."
"Die Intensität eines Orgasmus beim
Geschlechtsverkehr ist der Gradmesser für die Liebe der Partner."
"Je länger der Penis eines Mannes
ist, desto glücklicher macht er beim Geschlechtsverkehr die Frau."
"Wenn eine Frau nach der Geburt eines
Kindes keine Lust auf Sex hat, ist dies ein Zeichen, dass sie ihren Partner nicht mehr
liebt."
"Wenn eine Frau ´nein´ sagt, meint
sie ´vielleicht´, wenn sie `vielleicht` sagt, meint sie ´ja´."
"Ein Mann, der einer Frau gegenüber
sexuelle Absichten äussert, ist ein Schwein."
"Frauen besitzen keine von Männern
unabhängige Sexualität."
"Es gibt einen männlichen und
weiblichen Idealtyp für sexuelle Attraktivität (Grösse, Gewicht, Masse, Haar-,
Augenfarbe, usw.). Je mehr Mann oder Frau diesem Typus gleichen, desto sexuell attraktiver
sind sie."
"Beim ersten Mal muss mindestens
eine/r - besser beide - für einige Minuten in Ohnmacht fallen."
"Wer sich wirklich liebt, braucht
über Sexualität nicht zu reden."
"Sexuelle Bereitschaft spürt man(n),
darüber braucht man(n) nicht zu reden."
"Ein Mann und eine Frau begegnen
sich. Die Erde bebt. Und sie leben glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende."
Kürzestgeschichte
"Er war ein Mann: stark wie ein
Baum! Sie nannten ihn `Bonsai´."
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- Die nachfolgenden Aussagen
kennzeichnen Einstellungen zur Sexualität. Hinterfragen und diskutieren Sie diese mit
Ihrem/Ihrer PartnerIn. Aber denken Sie daran, dass es hier weder ein Richtig, noch
ein Falsch gibt!!! Es geht hier ausschliesslich darum, eigene Einstellungen und
Bewertungen mit dem/der PartnerIn zusammen zu reflektieren.
-
·Wirklich gute Sexualität kann man nur erleben, wenn man gleichzeitig auch
verliebt ist.
·Insgesamt kann man wohl auch heute noch sagen, daß Sexualität zur
"ehelichen Pflicht" gehört; dass eine feste Beziehung, vollends in der Ehe,
ohne Sexualität einfach nicht geht .
·Für Männer ist es gefühlsmässig viel einfacher, sozusagen mal nebenher,
mit einer anderen Frau zu schlafen. Für eine Frau mit einem anderen Mann ist das schon
viel komplizierter.
·Beim Sexualverkehr sollte der Mann auf alle Fälle erst mal versuchen, die
Frau zum Orgasmus zu bringen.
·Eigentlich hat der Partner - ob nun verheiratet oder nicht - kein Recht
darauf, sich sexuell zu verweigern, nur weil er bzw. sie mal keine Lust hat.
·Wenn man als Mann nicht gleich eine Erektion kriegt beim Anblick einer
nackten Frau, dann heißt das doch wohl leider, daß man anfängt alt zu werden.
·Zur richtigen Sexualität gehört der Penis in die Vagina; alles andere ist
zwar auch ganz schön, gehört doch aber eigentlich nur zum Vorspiel.
·Meistens ist es zwischen Männern und Frauen doch wohl so, daß die Frauen
Sex geben, um Liebe und Bindung zu bekommen; und Männer Liebe und Bindung geben, um an
Sex ranzukommen.
·Dass Männer/Frauen - auch wenn sie in ihrer eigenen Partnerschaft glücklich
und zufrieden sind - sich auch noch für Sex mit anderen Frauen/Männer interessieren, das
ist doch ganz normal.
·Wenn eine Beziehung zwischen Mann und Frau hauptsächlich auf sexuellem
Verlangen beruht, dann taugt sie wahrscheinlich auf Dauer nicht viel.
·Wenn man sich gleichzeitig, wenn man mit seinem Partner schläft, vorstellt,
mit jemand anderem zu schlafen, so ist das wohl letzten Endes - auch wenn das nur hin und
wieder passiert - ein Betrug am Partner.
·Wenn eine Frau sich schon mal für einen anderen Mann als den eigenen
interessiert, dann ist das weit kritischer als wenn ein Mann sich mal für eine andere
Frau interessiert.
·Wenn sich jemand - egal ob in fester Beziehung oder alleinstehend - gerne
nackte Frauen bzw. nackte Männer in Sexheften anguckt, dann kann doch wohl mit demjenigen
etwas nicht so recht stimmen.
·In der Beziehung und Partnerschaft zwischen Mann und Frau ist es doch eher
angebracht, wenn der Mann ein paar Jährchen älter ist als die Frau. Wenn die Frau älter
ist als der Mann, ist das doch eher befremdlich.
·Am schönsten ist Sexualität, wenn sie "naturrein" ist; extra
Techniken, Praktiken und Hilfsmittel (Reizwäsche, Vibrator u.a.) stören dabei nur.
·Es macht nichts, wenn Kinder ihre Eltern beim Geschlechtsverkehr sehen.
·Selbstbefriedigung ist doch wohl eher eine Sache, die nur zur Not und nur als
Ersatz gelten kann. Daß sich der andere darüber nicht freuen kann, ist doch wohl klar.
·Oraler Geschlechtsverkehr ist doch eher aber etwas Widernatürliches und
vielleicht sogar was Ekliges, so daß man besser auch ohne auskommt.
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- Informationen zum Thema: Sexueller Missbrauch von Kindern
- Wo genau ist
es angezeigt, von "sexuellem Missbrauch" zu sprechen?
- Sexueller
Missbrauch findet da statt, wo Erwachsene Kinder zur Befriedigung eigener sexueller
Bedürfnisse missbrauchen. Es ist eine besonders dramatische Verfehlung einem Kind
gegenüber, weil sie im Opfer spiritual pain" verursacht (der von der
argentinisch-amerikanischen Sexualtherapeutin Cloé Madanes kreierte Begriff dürfte in
bodenständiges Deutsch übersetzt etwa heissen: ein Schmerz, der mitten ins Herz trifft).
- Dieser Schmerz
hört nicht etwa auf, wenn sexueller Missbrauch aufhört. Eine betroffene junge Frau sagte
mir einmal: Der sexuelle
Missbrauch geht im Schweigen weiter.
- Damit hat sie den zentralen
Punkt angeschnitten, wenn wir die Folgen sexuellen Missbrauchs für die
Opfer genau betrachten:
- Nicht dem Kind
übergestülpte Erwachsenensexualität hat zwangsläufig für das Opfer dramatische
psychische und gesundheitliche Langzeitfolgen, diese fussen darin,
-
- 1. dass
durch Schweigegebote dem Kind Bewältigungsmöglichkeiten nach der Tat geraubt werden. Ein
unsichtbarer Knebel wird gesetzt, welcher Reden (und bewältigen) verunmöglicht.
(Übrigens: da wo diese von Erwachsenen nicht untergraben werden, haben Kinder
erstaunliche Bewältigungsfertigkeiten!)
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- 2. dass
Täter oder Täterin das Kind durch das Schweigegebot zum Teilen eines gemeinsamen
schrecklichen Geheimnisses zwingen und so einen geradezu hypnotischen und weit über die
Tat hinaus dauernden Einfluss auf das Opfer ausüben.
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- 3. dass
Täter oder Täterin das Kind durch das Schweigegebot in eine innere Isolation treiben.
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- 4. dass
das unmittelbare soziale Umfeld des Kindes (Mutter, Vater, usw.) das Kind unausgesprochen zum Schweigen anhält. Das Opfer weiss": wenn es
mitteilt, was ihm angetan wurde, zerstört es das Leben seiner geliebten Mutter, seines
Vaters, die Partnerschaft seiner Eltern, usw. (Übrigens warten 8 von 10 kindlichen Opfern
von Sexualdelikten, die von Täter/innen ausserhalbe des engsten Familienkreises begangen
wurden, auf den Vater oder einen älteren Bruder, um sich anzuvertrauen, vermutlich weil
sie befürchten, die Mutter würde den zugefügten Schmerz nicht überleben). Besonders
dramatisch sind Langzeitbeeinträchtigungen da, wo unausgesprochene Schweigegebote von
nahen Bezugspersonen des Kindes dieses im wahrsten Sinne des Wortes gezwungen haben,
weiterhin mit dem Täter oder der Täterin unter einer Decke zu stecken".
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- 5. dass
Kinder, denen ein Knebel des Schweigens gesetzt wurde, später als Erwachsene oft
versuchen, die Tat, den oder die Täterin, sich selbst zu verstehen, indem sie die Rollen
bei der Tat anfangs in der Phantasie, später in der Realität - vertauschen, und
so unter dem hypnotischen Einfluss des Täters/der Täterin und der Tat verbleiben, selbst
zu Tätern oder Täterinnen werden können (Fachleute nennen dies:
Reinszenierungstendenz).
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- Besonders
wichtig ist ein rasches Aufbrechen des Schweigeknebels da, wo Täter/in es darauf
angelegt haben, das Opfer sexuell zu erregen. Ohne Bewältigungsmöglichkeiten gelangt ein
Opfer schnell in ein Gefühlswirrwarr sondergleichen. Scham, Schuldgefühle über die
erotischen Empfindungen (wünschte ich die Tat etwa tief in mir drin?";
wo bin ich Komplize/Komplizin der Tat?", usw.) treiben ansonsten das Opfer in
eine dramatische innere Isolation.
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- Wichtig für Mütter und Väter: Leider versuchen sogenannte Fachleute immer wieder glauben zu machen, ein
kindliches Opfer sexuellen Missbrauchs sei in jedem Falle ein Leben lang traumatisiert.
Nicht nur zerstören solche Aussagen jede Hoffnung von Eltern, ihr geliebtes Kind könne
einmal über das Verbrechen hinwegkommen. Auch Opfern wird suggeriert, sämtliche
Schwierigkeiten und Belastungen in ihrem Leben (und solche tauchen in jedem menschlichen
Leben auf!) seien direkte oder indirekte Folge des damaligen Verbrechens. So laufen sie
Gefahr, sich in ihrer persönlichen Identität und individualität über die
Opfer-Rolle" zu definieren. Untersuchungen der letzten Jahre zeigen hingegen
deutlich: da wo ein Kind nahen Bezugspersonen jenes Vertrauen entgegenbringt, was ihm
angetan wurde rasch mitzuteilen, finden kindliche Opfer ungeahnte
Bewältigungsfertigkeiten (allenfalls mit kurzzeitiger therapeutischer Hilfe). Nur da, wo
Opfer durch das Schweigen (siehe oben) in eine innere Isolation getrieben werden, sind
dramatische psychische Langzeitschäden wahrscheinlich. Daraus ergeben sich auch
wesentliche Erkenntnisse für die Prävention: Lasst uns unsere Kinder so
erziehen, dass sie - wenn Opfer eines sexuellen Übergriffs - diesen unmittelbar und
sofort herumerzählen. Einerseits werden so Langzeitschäden bei Opfern abgewendet,
andrerseits werden potentielle Täter oder Täterinnen abgeschreckt, da sie ohne wenn und
aber Gewissheit hätten: "meine schändliche Tat kann nicht vertuscht werden, ich
würde in jedem Falle strafrechtlich verfolgt zu werden."
-
- Täter und Täterinnen versuchen
sich immer wieder herauszureden, indem sie darauf verweisen, dass "Kinder auch eine
Sexualität haben" und dass in anderen Kulturen "Kindern von Erwachsenen
Sexualität gelernt wird im Rahmen sogenannter Initiationsriten".
- In den letzten
24 Jahren habe ich mich anlässlich von sechs ausgedehnten mehrmonatigen Bildungsreisen
nach Afrika, Asien, Nordamerika und Ozeanien sowie im Studium umfassender
ehtno-psychologischer Fachliteratur sehr mit Initiationsriten befasst. Ich habe weder
persönlich eine ethnische Kultur angetroffen, noch bin ich in einschlägiger
Fachliteratur auf eine gestossen, wo Sexualität im Rahmen von Intitiationsriten
praktiziert oder gar akzeptiert würde, in welcher Erwachsene zur Befriedigung eigener
sexueller Bedürfnisse an Kindern sexuelle Handlungen vornehmen dürften!
- Zudem sind
Initiationsriten auch jene mit sexuellen Inhalten - öffentliche Angelegenheiten.
Jeder und jede spricht darüber (keine Isolation durch Schweigen).
- Es gehört zur
Sozialisation von Kindern in allen Ethnien der Welt, ihre eigene Sexualität zu finden,
neugierig zu sein im Bereich der Sexualität. Kinder sind beim Versuch, ihre erwachende
Sexualität - zuweilen auch mit vertrauten Erwachsenen auszuprobieren, nie
"schuldig". Die Verantwortung für das Grenzen-Setzen, das Sich-Abgrenzen dem
Kind gegenüber in der Sexualität liegt ausschliesslich und in jedem Falle beim
Erwachsenen. Die Schuld für Übergriffe sexueller Art liegt auschliesslich und immer beim
Erwachsenen. Ich habe in keiner ausserhalb des semitisch-christlichen Kulturkreises
liegenden Ethnie eine abweichende Verantwortlichkeitsfestlegung gefunden.
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